Was­ser! Wer genießt es nicht? Bei hei­ßen Tem­pe­ra­tu­ren ins küh­le Nass sprin­gen; genüss­lich ein Eis essen; die Füße in ein kal­tes Was­ser­bad hal­ten; ein eis­kal­tes Getränk zum Abküh­len trin­ken. Was­ser ist Leben! Nicht nur Genuss, nein, Was­ser ist Leben! Wir bestehen zu drei Vier­teln dar­aus, es ernährt uns. Und es ist knapp, auch in Fran­ken – weil wir Men­schen zu stark in den Was­ser­kreis­lauf ein­grei­fen, mit gra­vie­ren­den Folgen.

Die globale Dimension von Wasserknappheit

Die glo­ba­le Per­spek­ti­ve lässt das The­ma Was­ser­knapp­heit in einer ganz ande­ren Pro­blem­di­men­si­on erscheinen: 

2,2 Mil­li­ar­den Men­schen haben kei­nen Zugang zu sau­be­rem Trink­was­ser. Ver­schmutz­tes Was­ser trägt zur Aus­brei­tung von Krank­hei­ten bei. Um Was­ser anzu­schaf­fen, kön­nen vie­le Kin­der kei­ne Schu­le besu­chen. 700 Mil­lio­nen Men­schen könn­ten bis 2030 gezwun­gen sein, ihre Hei­mat zu ver­las­sen, in der Fol­ge von Was­ser­knapp­heit. Vie­le Men­schen sind direkt von Dür­re und als Fol­ge von Hun­ger bedroht, durch aus­blei­ben­de Nie­der­schlä­ge und ver­un­rei­nig­te Seen und Flüs­se. Von der Erhal­tung von Acker­flä­che, dem Erhalt der Arten­viel­falt und vie­lem mehr, gar nicht erst anzufangen.

Dar­um hat das nach­hal­ti­ge Ent­wick­lungs­ziel, SDG 6, eine so über­ra­gen­de Bedeu­tung für die Mensch­heit. Mit SDG 6 wol­len wir fol­gen­des Ziel erreichen:

Die Ver­füg­bar­keit und nach­hal­ti­ge Bewirt­schaf­tung von Was­ser und Sani­tär­ver­sor­gung für alle gewährleisten.

17ziele.de

Kon­kre­ter sind die Unter­zie­le beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung aufgelistet.

Wer sind die Leidtragenden in Franken?

Doch wie ein­gangs gesagt, gibt es nicht nur weit weg, son­dern auch direkt hier bei uns in Fran­ken Was­ser­knapp­heit. Die Wehr­lo­ses­ten und Unsicht­bars­ten sind bei uns Tie­re, Pflan­zen, Pil­ze und Bak­te­ri­en. Sie lei­den unter Tro­cken­heit und Hit­ze, ver­lie­ren ihre Wider­stands­fä­hig­keit und sind anfäl­li­ger für Schäd­lin­ge, was eine Gefahr für die Arten­viel­falt ist (mehr dazu hier). Gut sicht­bar ist das im Wald: Der Bor­ken­kä­fer, Wald­brän­de und Stür­me bedro­hen ihn (Wald­erhe­bungs­be­richt). Bedenk­lich ist das, weil der Wald unser loka­les Kli­ma mit­be­stimmt, auf das wir unse­re Land­nut­zung und somit auch unse­re Ernäh­rung ange­passt haben, weil er Lebens­raum für vie­le Arten ist, weil er Regen auf­sam­melt, in Grund­was­ser ver­wan­delt und den Kli­ma­wan­del bekämpft, indem er CO2 speichert. 

Wer direk­ter für sein Leid spre­chen kann, sind die Landwirt*innen. Vie­le Kul­tu­ren las­sen sich in Fran­ken auf­grund der Kli­ma­kri­se ohne Bewäs­se­rung nicht mehr anbau­en. Das ver­braucht viel Was­ser – meis­tens Grund­was­ser. Und ist, neben­bei bemerkt, teu­er. Und wer wun­dert sich über die hohen regio­na­len Gemü­se­prei­se?
Das Dilem­ma ist: Die Landwirt*innen sind nicht die ein­zi­gen, die auf das knap­per wer­den­de Grund­was­ser Anspruch erhe­ben. Unse­re Trink­was­ser­ver­sor­gung hängt am Tropf des Grund­was­sers. Es meh­ren sich also schon die Vor­kom­men von Kon­flik­ten um die Was­ser­ver­tei­lung – in Franken. 

Ist die Entnahme von Wasser aus Seen und Flüssen eine Alternative? 

Wer über den Tel­ler­rand in ande­re Regio­nen schaut, merkt, dass die Ent­nah­me von soge­nann­tem Ober­flä­chen­was­ser das Pro­blem eher ver­schärft. Vie­ler­orts trock­nen Flüs­se und Seen aus, weil ihnen mehr Was­ser ent­nom­men wird als sich nach­bil­den kann. Die Fol­gen für die lokal ange­pass­ten Öko­sys­te­me, und somit die Arten­viel­falt, sind dra­ma­tisch. Außer­dem fußt in vie­len Län­dern die Was­ser­ver­sor­gung auf Ober­flä­chen­ge­wäs­sern. Sie ist durch die Aus­trock­nung unmit­tel­bar gefähr­det. Bei­spie­le für die mensch­lich ver­ur­sach­te Aus­trock­nung sind der Aral­see in Zen­tral­asi­en, der Colo­ra­do River in den USA, aber auch See und Flüs­se in Frank­reich und Ita­li­en, und sogar der ost­deut­sche Fluss “Schwar­ze Els­ter” – sie alle trock­nen aus, oder sind davon bedroht, wenn kein Wan­del passiert. 

Wie weit soll es kommen?

Das Land Hes­sen steht vor ähn­li­chen Pro­ble­men wie wir Fran­ken. Lokal gel­ten dort seit kur­zem kla­re Regeln: Kei­ne Trink­was­ser­ent­nah­me mehr für Grün­flä­chen­be­wäs­se­rung über 200 qm in König­stein (Hoch­tau­nus). Und gar kei­ne Gar­ten­be­wäs­se­rung oder Brun­nen­ent­nah­men in Grä­ven­wies­bach (Hoch­tau­nus), wo der Trink­was­ser­not­stand sogar schon aus­ge­ru­fen wur­de (hessenschau.de, 18.06.2022). Wol­len wir es soweit kom­men lassen?

Die andere Seite der Medaille: Zu viel des Guten.

Das genaue Gegen­teil von Was­ser­knapp­heit hat sich 2021 im Ahr­tal abge­spielt, mit kata­stro­pha­len Fol­gen für die loka­le Bevöl­ke­rung und die Natur. Stark­re­gen, und das ohne Unter­lass, mün­de­te in einer Flut­ka­ta­stro­phe. Es gibt vie­le Bei­spie­le von Sied­lungs­über­flu­tun­gen in Deutsch­land in den letz­ten Jah­ren. Und es wer­den nicht weni­ger. Genau­er betrach­tet gibt es bei uns immer men­schen­ge­mach­te Vor­aus­set­zun­gen dafür, dass der Regen nicht aus­rei­chend abflie­ßen kann. 

Ein Exkurs zu den Gründen: Der Eingriff in Versickerungsflächen 

Neu sind die Pro­ble­me nicht mehr. Schon vor der Jahr­tau­send­wen­de haben sich Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg mit dem Deut­schen Wet­ter­dienst zusam­men­ge­schlos­sen, um zum The­ma „Kli­ma­ver­än­de­rung und Kon­se­quen­zen für die Was­ser­wirt­schaft“ (KLIWA) län­ger­fris­tig zusam­men­zu­ar­bei­ten. Der in Nürn­berg 2016 her­aus­ge­ge­be­ne Bericht “Zukunfts­wei­sen­der und nach­hal­ti­ger Umgang mit Regen­was­ser”, nennt die Trei­ber beim Namen. 

Tritt im Zuge der Kli­ma­kri­se ver­mehrt Stark­re­gen auf, sind die Was­ser­mas­sen davon abzu­hal­ten, die Kana­li­sa­ti­on zu über­flu­ten und Schä­den zu ver­ur­sa­chen. Die fort­schrei­ten­de Flä­chen­ver­sie­ge­lung durch die Sied­lungs­ent­wick­lung im Stadt­ge­biet erhöht den Druck. Sicker- und Auf­fang­flä­chen braucht es! Sonst bil­det sich auch kein Grund­was­ser neu. Der Bericht nennt Lösungs­an­sät­ze für das Pro­blem: Begrün­te Dächer, Stra­ßen­be­gleit­grün, Flä­chen­ent­sie­ge­lung, und Regen­was­ser­nut­zung (durch Zis­ter­nen) für die Gar­ten­be­wäs­se­rung, die Toi­let­ten­spü­lung und das Wäsche­wa­schen etc.. 

Was tut Nürnberg?

Und tat­säch­lich ist “Schwamm­stadt” ein geflü­gel­tes Wort, seit die Stark­re­gen­fre­quenz zunimmt. Die Stadt Nürn­berg ver­folgt sogar einen Mas­ter­plan Frei­raum, der Nürn­berg grü­ner und zukunfts­fä­hi­ger machen soll – die Umset­zung pas­siert lei­der zu lang­sam. In Stadt­ent­wick­lungs­ge­bie­ten för­dert sie pri­va­te Begrü­nungs- und Ent­sieg­lungs­maß­nah­men, unter dem Namen Mehr Grün für Nürn­berg. Schran­ken für die Umge­stal­tung setzt die aktu­el­le Mobi­li­täts­po­li­tik, die eine Abnah­me der Auto­an­zahl, der Park­plät­ze und Stra­ßen und somit mehr Platz für Ent­sie­ge­lung und Umge­stal­tung zu grü­nen Parks verhindert. 

Ohne Mobilitätswende geht´s eben nicht 

Wer damit unzu­frie­den ist, soll­te sich z. B. dem Bünd­nis für die sozi­al­ge­rech­te Mobi­li­täts­wen­de anschlie­ßen, uner­müd­lich bei Betei­li­gungs­ver­fah­ren zu Umge­stal­tungs­pro­jek­ten der Stadt mit­ma­chen, ent­spre­chen­de Anträ­ge für Ent­sie­ge­lung im Stadt­rat unter­stüt­zen, Lob­by­ar­beit machen, Mobi­li­täts­pro­jek­te wie Las­ten­rad für alle unter­stüt­zen und, und, und…

Illus­tra­ti­on: Bünd­nis sozi­al­ver­träg­li­che Mobilitätswende/Elisabeth Deim; nabu.de

Ent­sie­ge­lung live zum Anschau­en gibt es beim Pro­jekt Welt­acker, von SDGs go local und der Stif­tung Inno­va­ti­on und Zukunft – ein Bei­spiel für Ent­sie­ge­lung auf einer städ­ti­schen Flä­che, umge­setzt durch die Pro­jekt­ak­teu­re. Mehr zur Ent­ste­hung und allen aktu­el­len Mel­dun­gen ist hier beschrieben.

Ein Beitrag – Regenwasser zur Gartenbewässerung
Regen­ton­ne am Lindengarten

Um zur Ent­las­tung des Grund­was­sers bei­zu­tra­gen, sind seit kur­zem Regensamm­ler im Ein­satz, die zwei Koope­ra­ti­ons­pro­jek­te von SDGs go local mit der Ess­ba­ren Stadt mit Regen­was­ser ver­sor­gen Vischers Hoch­bee­te und den Lin­den­gar­ten.

Regen­ton­ne bei Vischers Hoch­bee­ten am Vischers Kulturladen

Noch ist die Stadt nicht soweit mit ihren Geneh­mi­gun­gen, aber wir wün­schen uns auch am Bie­ling­platz und bei eini­gen ande­ren Ess­ba­re Stadt Stand­or­ten eine Regen­auf­fang­pla­ne, die das Regen­was­ser in die Gieß­tanks leitet.

Was kannst du noch tun?

Wer kein Zis­ter­ne in den Gar­ten bau­en und kei­ne Regen­ton­ne auf­stel­len kann, der kann trotz­dem viel dafür tun, dass weni­ger Was­ser ver­braucht wird, und zwar durch sei­nen direk­ten und sei­nen vir­tu­el­len Was­ser­ver­brauch. Den direk­ten Ver­brauch kann man hier berech­nen. Der vir­tu­el­le Was­ser­ver­brauch ist wie der öko­lo­gi­sche Fuß­ab­druck für Was­ser, statt für CO2. Wer ihn sen­ken will, kann sich sai­so­nal, regio­nal und fleisch­arm ernäh­ren, wenig weg­wer­fen, und wenig, aber lang­le­bi­ges konsumieren.


Mit unse­rem Ein­satz für die Nut­zung von Regen­was­ser wol­len wir eine Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma Was­ser und dem bewuss­ter Kon­sum rund um Was­ser ansto­ßen und einen Bei­trag zur Umset­zung fol­gen­der SDGs leisten: